Die unsichtbaren Anforderungen

Der Alltag birgt heute viele verschiedene Aufgaben, die nicht immer alle am selben Tag erledigt werden können. Nicht immer ist genug Zeit da, um alles zu tun, was zu tun wäre, wenn man genug Zeit hätte. So wollen sie vielleicht schon lange ein neues Waschbecken einbauen, ein Zimmer renovieren, oder sich mal wieder mit einem Freund treffen, kommen aber nicht dazu, weil sie einfach neben der alltäglichen Arbeit keine Zeit haben.

Eine solche Lebensführung ist problematisch und programmiert eigentlich die Entstehung von Stress vor. In der Praxis kommt es aber ebenfalls sehr oft vor, dass man morgens am Schreibtisch oder am Frühstückstisch sitzt und nachdenkt, was man den Tag über so zu tun hat.

Es entsteht eine mentale Liste, und schnell hakt man einige Sachen ab: „Die mache ich morgen, oder nächste Woche.“ Übrig bleiben die Aufgaben des Tages, die man bewältigt, um sich nach einer gewissen Arbeitszeit wieder zu entspannen.

Das Aufschieben von Arbeiten ist eine sehr legitime Methode, um Ordnung in den Alltag zu bringen. Aufgeschobene Aufgaben sind vielleicht an einem Tag wirklich nicht zu bewältigen, so dass man sich im Klaren sein sollte, dass es sicher für die persönliche Zufriedenheit nicht gut wäre, wenn man sich dennoch vorgenommen hätte, all diese Aufgaben an einem Tag zu erledigen.

Manche Dinge aber verschwinden auf unserer Liste. Wir machen sie heute nicht, morgen nicht und übermorgen nicht, bis uns bewusst nicht mehr klar ist, dass wir sie eigentlich noch erledigen müssen. Irgendwann aber kommt die unangenehme Erkenntnis: „Das muss ich ja auch noch machen!“

Wenn es um eine einzige, unangenehme Aufgabe geht, ist dies normalerweise kein Problem: wir überwinden uns, machen uns an die Arbeit und haben sie wahrscheinlich recht bald erledigt.

Leider ist dies nicht der Normalfall. Viele Menschen „sammeln“ solche vergessenen Aufgaben so weit an, bis diese eine echte Belastung darstellen. Plötzlich ist es nicht mehr nur noch das Waschbecken, was wir seit Wochen vor uns hergeschoben haben – zu ihm hat sich das Aufräumen des Kellers, die Organisation der Fotosammlung und das Ausmisten des Speichers gesellt. Alle Aufgaben zusammen haben einen solchen Umfang, dass wir uns ganz erschlagen und demotiviert fühlen, noch ehe wir überhaupt etwas getan haben.

Solche Zustände rufen in unserem Körper eine recht einfache Reaktion hervor: wir erinnern uns an die Vielzahl der gesammelten Aufgaben, erschrecken uns und sind demotiviert. Ein Gefühl von Überforderung ist die Folge. Überforderung aber erzeugt Stress – wir haben Angst, unserem Alltag nicht gewachsen zu sein und befinden uns in einem Zustand von Anspannung, ohne dass wir in der Tat außergewöhnlich viel Arbeit verrichten würden.