Negative gesundheitliche Auswirkungen von Stress

Man kann es mittlerweile beinahe als Allgemeinplatz bezeichnen: Zu viel Stress kann krank machen. Nicht jedes körperliche Phänomen, das in der Vergangenheit der großen Wurzel Stress zugeschrieben wurde, ist heute noch aktuell; Magengeschwüre zum Beispiel, die noch vor einigen Jahren als eine der Auswirkungen von Stress gegolten haben, werden diesem Phänomen mittlerweile nur noch in seltenen Sonderfällen zugeschrieben.

Die starke Präsenz von Stress in unserer modernen Gesellschaft hat zu einem besonderen Aufschwung der Stressforschung geführt, und es ist daher nicht gerade ein Wunder, dass es einige neue Erkenntnisse in Bezug auf die negativen Auswirkungen von Stress auf unsere Gesundheit ist.

Klar ist: Stress ist ungesund und macht auf Dauer krank. Welche Erkrankungen aber muss man wirklich befürchten, wenn man den Stress in seinem Leben nicht in den Griff bekommt? Mit der Antwort auf diese Frage beantwortet man letztlich auch gleichzeitig die Frage, wie schädlich Stress in Wirklichkeit ist.

Grundsätzlich gilt: die alte Regel von positivem und negativem Stress gilt noch immer, auch wenn man die Formel zur Unterscheidung dieser beiden Arten mittlerweile den neuen Erkenntnissen angepasst hat. Positiver Stress entsteht immer dann, wenn wir eine Belastung als Herausforderung empfinden, wenn wir also in uns selbst die Kraftreserven spüren, die uns bei der Bewältigung der kritische Situation behilflich sein können. In diesem Fall wird der Stress unseren Organismus weniger belasten als vielmehr anfeuern – Stress ist für uns unter diesen Bedingungen eben eine besondere Möglichkeit, Kräfte freizusetzen, die uns unter anderen Umständen vielleicht nicht zur Verfügung stehen würden.

Negativer Stress wiederum ist eine Belastung, die uns nicht mehr als Herausforderung erscheint. Wir spüren kaum noch Kraft in uns, die ausreichend erscheint, um die entsprechende Anforderung zu bewältigen, und das Ergebnis der Stressreaktion ist weniger die Mobilisierung von Kräften (auch wenn dies natürlich ebenfalls in Erscheinung tritt), sondern vielmehr eine vor allem psychische Überforderung, die uns labil macht und eventuell sogar lähmt.

Vielleicht kennen sie das Gefühl ja: einige Dinge laufen nicht nach Plan, sie sehen sich gewissen Problemen gegenüber, für die sie noch keine Lösung kennen, und ganz entgegen ihrer sonstigen Art entmutigt sie diese Situation, eventuell sogar so weit, dass sie sich beinahe handlungsunfähig fühlen. Dabei handelt es sich um eine ganz klassische Beschreibung von negativem Stress.

Die körperliche Reaktion ist bei beiden Arten prinzipiell sehr ähnlich; es werden Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt, der Körper wird auf diese Weise mobil gemacht, und zusammen mit den Wirkungen von Kortisol aus dem Nebennierenmark und anderen Hormonen aus der Hirnanhangdrüse bereitet man sich rein körperlich auf eine Extremsituation vor. Wir sind in einer solchen Situation körperlich sehr leistungsfähig, auch wenn unsere eigentliche Ausdauer ihren Zenit eventuell schon seit einiger Zeit überschritten hat; eventuell ruft der Stress sogar positive Gefühle hervor, die uns angenehm sein können.

Unterschiedlich ist bei den beiden Arten von Stress vielmehr die psychische Reaktion. Wenn zu viel negativer Stress entstanden ist, kann unsere Psyche mit dem Ausnahmezustand nicht mehr mithalten, und wir empfinden diesen Zustand als Belastung.

Die körperlichen Auswirkungen von Stress gehen allerdings noch über diese hormonellen Sonderzustände hinaus. Durch Stress erweitern sich unsere Bronchien, das Herz schlägt schneller, und der Blutdruck steigt an. Wir sind darauf vorbereitet, unseren Körper mit mehr Energie, mit mehr Sauerstoff und somit letztlich mit zusätzlicher Kraft zu versorgen.

Diese Reaktion ist allerdings nur bei kurzen Phasen wirklich von Nutzen – hält die Stressreaktion an, so pendelt sich unser Körper auf ein höheres Belastungsniveau ein, welches zwar zu einer gewissen dauerhaften Steigerung der Leistungsfähigkeit führt, aber gleichzeitig auch negative Auswirkungen haben kann.

Stellen wir uns die körperlichen Funktionen, die mit der Stressreaktion zusammenhängen, wie die Muskeln eines Sportlers vor: regelmäßiges und gezieltes Training steigert seine Kraft und Ausdauer bis auf ein Niveau, dass er vorher eventuell nicht gekannt hat, doch bleiben zwischen den Trainingsperioden die erforderlichen Pausen aus, so wird das Muskelwachstum am Ende gehemmt, und es tritt nicht nur kein Erfolg, sondern eventuell sogar ein Rückgang der Leistungsfähigkeit bei gleichzeitigen negativen körperlichen Auswirkungen ein. Stress hat einen Trainingseffekt, doch kann dieser nur dann positiv ausgenutzt werden, wenn es auch Phasen gibt, in denen man sich erholt und ausruht.

Im Extremfall ist unser Körper dem dauerhaften Ansturm der Stresshormone nicht mehr gewachsen, und es treten Befindlichkeitsstörungen, Funktionsstörungen und psychosomatische Krankheiten auf, die den Organismus belasten und am Ende beschädigen. Rückenschmerzen, Krankheiten des Bewegungsapparates, Bronchialasthma, chronischer Bluthochdruck oder Darmerkrankungen können die Folge sein.

Da die Stresshormone ebenfalls die Tätigkeit des Immunsystems beeinträchtigen, steigt die Anfälligkeit für Infektionen, und eventuell können sogar Autoimmunkrankheiten wie Rheuma oder Schilddrüsenüberfunktion die Folge sein.

All diesen Vorgängen ist gemein, dass sie eine deutliche negative Auswirkung auf die Organe des Körpers haben, dass sie auch das Gewebe des Körpers negativ beeinträchtigen und dass sie dabei stark durch psychische Vorgänge mitbedingt sind.

Psychosomatische Erkrankungen gehören insgesamt zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt (man geht mittlerweile von ungefähr einem Drittel aller Erkrankungen aus), und die vielfältigen Einflüsse von Stress führen zu besonders mannigfaltigen Erkrankungen dieser Art.

Dabei bringen Erkrankungen, die durch Stress bedingt oder begünstigt sind, einen besonders unangenehmen Umstand mit sich – sie können vielleicht kurzfristig mit Arzneimitteln, die die Symptome bekämpfen, gelindert oder sogar teilweise geheilt werden, das eigentliche Problem aber bleibt unbehoben – Stress als Nährboden für Krankheiten lässt sich nicht durch Psychopharmaka, verdauungsverbessernde Mittel oder Kreislaufmittel beheben.

Die unangenehmste körperliche Auswirkung von Stress ist daher, dass er nicht nur unangenehme, sondern teilweise sogar unheilbare Erkrankungen hervorruft, die nur dann wirkungsvoll zu bekämpfen sind, wenn man den Stress selbst zum Ziel einer Therapie macht.