Wie jagt der Wolf?

Der Leopard lauert im Hinterhalt seiner Beute auf und schlägt plötzlich zu. Der Tiger schleicht sich alleine an sein Beutetier heran, Löwen in der Gruppe. Der Gepard rennt seine Beute nieder, Hyänen knacken die Knochen von toten Tie ren, die andere Jäger erlegt haben, und auch Schakale leben viel von Aas. Der Fuchs fängt Mäuse, der Bär frisst hauptsächlich Kräuter und Beeren und der Luchs tötet bei uns fast ausschließlich Rehe.
So ist jeder Beutegreifer auf eine bestimmte Jagdweise und eine bestimmte Beute spezialisiert. Nur der Wolf nicht. Er liegt im Hinterhalt, hetzt, fängt Mäuse und frisst leidenschaftlich gern Blaubeeren, jagt die wilden wie die zahmen Tiere, in der Gruppe oder allein. Reh und Schaf tötet er durch den Kehlbiss, den Hasen drückt er zu Tode und den Hirsch oder den Elch hetzt und umstellt er so lange, bis sein Opfer vor Erschöpfung zusammenbricht. Er ist der wahre Alleskönner unter den Raubtieren, der, der alle Jagdmethoden beherrscht, wenn auch keine so perfekt wie die Spezialisten.
Das hängt mit dem Lebensraum des Wolfes zusammen, in dem es viel weniger Beutetiere gibt als etwa auf den Savannen Afrikas, wo die meisten großen Raubtiere leben. Würde ein Wolf in der Tundra auf Rentiere im Ansitz warten wie der Leopard in der Serengeti auf die Gazelle, müsste er verhungern. Er muss vielmehr alle Chancen nutzen, um bei der Jagd Erfolg zu haben.
Wie schwer das sein kann, hat ein amerikanischer Wildbiologe beobachtet. Er rekonstruierte 160 Begegnungen zwischen einem Wolfsrudel und seiner wichtigsten Beute, den Elchen. Das Rudel bestand aus 15 Tieren, von denen sich aber meist nur sechs bis sieben erwachsene Tiere an der Jagd beteiligten. Von den 160 Elchen haben 40 die Wölfe rechtzeitig entdeckt und sind geflohen, 24 meist starke Bullen blieben einfach stehen, worauf die Wölfe sie in Ruhe ließen. Von den 96 Elchen, die flüchteten, wurden 53 von den Wölfen eingeholt. Davon blieben 12 wieder stehen, 34 rannten den Wölfen davon. Wirklich angegriffen und verletzt wurden demnach nur sieben Elche. Einer davon konnte verletzt entkommen und sechs wurden schließlich getötet. Das ist wahrlich kein besonders gutes Ergebnis. Dennoch lohnt sich die Jagd, denn ein großer Elch bringt so viel Fleisch, dass das ganze Rudel davon viele Tage leben kann.
Andere Rudel mit anderen Beutetieren haben andere Erfolgszahlen. Bei Hirschen liegen sie meist etwas höher, bei Bison und Wisent etwa gleich wie beim Elch und bei den Rentieren noch niedriger. Dafür kommen diese in großen Herden vor und dann ist fast immer ein schwaches Tier dabei, das die Wölfe reißen können. Wölfe testen immer ihre Beutetiere. Sind sie zu schnell oder zu wehrhaft, geben sie bald wieder auf, wandern weiter und versuchen ihr Glück woanders.
Meist werden junge, kranke oder schwache Tiere gerissen. Dadurch verhindern die Wölfe, dass ihre Beutetiere sich übermäßig vermehren und den Wald oder die Tundra, wo sie ihre Nahrung finden, kahl fressen. Sie halten die Bestände ihrer Beutetiere gesund und tragen dazu bei, dass nur die kräftigen Tiere am Leben bleiben und sich vermehren.
Wölfe laufen bei ihren Wanderungen meist im Trab und legen dabei etwa 8 km in der Stunde zurück. Dabei sind sie in der Regel 6 oder 7 Stunden unterwegs. In der restlichen Zeit fressen, spielen oder schlafen sie.
Nur wenn Wölfe jagen oder gejagt werden, sind sie schneller. Ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 50 bis 60 km in der Stunde. Solch ein Tempo können sie nur über kurze Entfernungen durchhalten.

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