Wie groß ist das Revier eines Wolfsrudels?

Jeder kennt es, das wütende Gekläffe von Hunden hinter dem Zaun oder der Wohnungstür: Wenn man ihr Revier betritt, greifen sie an – einige direkt von vorn, andere nur von hinten. Viele wedeln dann aber nur noch freundlich mit dem Schwanz, als wollten sie sagen: „Entschuldige bitte. Es war nicht so gemeint.“ Doch es war so gemeint. Die Eigenschaft, Haus, Garten oder Auto ihres „Rudels“ zu verteidigen, haben Hunde vom Wolf geerbt. Auch der Wolf verteidigt das Revier seines Rudels gegen jeden fremden Wolf. Nur ist sein Revier sehr viel größer als das eines Haushundes und umfasst nicht nur den engen Wohnbereich um die Höhle herum, sondern das gesamte Jagdgebiet des Rudels.

Wie groß ein solches Jagdrevier ist, hängt von der Zahl, aber auch vom Verhalten der wichtigsten Beutetiere ab. Leben die Wölfe zum Beispiel von Rentieren, die viel wandern, müssen sie mitwandern. Im Frühsommer geht es über die baumlose Tundra bis hinauf zur Polarmeerküste. Im Herbst ziehen die Herden wieder zurück bis an die Grenze des Waldes, wo die Rentiere den Winter verbringen. Solche Reviere eines Rudels sind besonders großräumig, so groß wie ganz Deutschland oder noch größer.

Todesursachen
Für einen Wolf, der das besonders gefährdete Welpenalter überlebt hat, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn sieben jahre. Fast die Hälfte aller Wölfe erreicht dieses Alter nicht. Die meisten Welpen sterben an Unterernährung oder an deren Folgen wie zum Beispiel Krankheiten, die sie im geschwächten Zustand nicht überleben. Erst wenn sie ein Alter erreicht haben, in dem sie zum Teil für sich selbst sorgen können -etwa mit einem Jahr-, stehen ihre Überlebenschancen vorerst gut. Ein Jahr später sind sie ausgewachsen und geschlechtsreif und damit wieder gefährdet. Sie beginnen herumzuwandern, haben aber mit all den Gefahren, die auf sie warten, wenig Erfahrung. Autos kennen sie nicht und werden daher überfahren. Dass hinter Schafen, die so leicht zu reißen sind, wütende Menschen lauern, wissen sie nicht und werden erschossen. Und dass sogar ihre eigenen Artgenossen für sie gefährlich werden können, ahnen sie höchstens.

Langjährige Untersuchungen in Amerika haben gezeigt, dass besonders dann, wenn die Nahrung knapp wird, die Mehrzahl aller Wölfe von anderen Wölfen getötet wird. Viele Wölfe versuchen dann, ihr schwindendes Jagdglück in ihrem eigenen Revier durch „Wilderei“ in fremden Gebieten wettzumachen – nicht selten mit tödlichen Folgen.

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