Wie werden die älteren Welpen gefüttert?

Die Geduld der Wölfe mit ihren Welpen ist nur anfänglich grenzenlos. Bald schon flüchten sie vor dem ewigen Gewusel auf umgefallene Baumstämme, große Steine oder ins Gebüsch, wohin ihnen die Welpen nicht folgen können. Auch die Mutter kürzt ihre Besuche immer mehr ab. Beim Säugen bleibt sie stehen, denn die Welpen sind jetzt so groß, dass sie im Sitzen trinken können. Dabei strecken sie ihre Köpfe unter dem Bauch der Mutter hoch und manchmal fallen sie rückwärts um, wenn sie mit den Vorderpfoten keinen Halt finden oder die Mutter sich plötzlich mit einem Satz davonmacht. Sie brauchen jetzt aber immer weniger Milch und dafür umso mehr Fleisch.
Deshalb ist es gut, dass im Frühling auch viele andere Tiere ihre Jungen zur Welt gebracht haben. Die Unvorsichtigen unter den Elch-, Rentieroder Hirschkälbern sind eine leichte Beute für die Wölfe. Wenn ihre Mütter aber gut aufpassen, rechtzeitig flüchten oder sich mit aller Kraft wehren, müssen die Wölfe ihr Jagdglück anderswo versuchen. So dauert es manchmal lange, bis sie mit dicken Bäuchen zur Höhle zurückkehren. Meist kündigen die Alten ihre Rückkehr durch Heulen an. Mit ihren noch piepsig-aufgeregten Stimmen heulen die Welpen zurück und rennen ihnen entgegen. Erblicken sie einen Wolf, fallen sie über ihn her, springen ihn an und versuchen ihm die Mundwinkel so lange zu lecken, bis er seinen ganzen Mageninhalt vor ihnen auswürgt.
Die Welpen stürzen sich auf das dampfende Futter und verschlingen es. Jetzt hat keiner mehr Zeit, mit den anderen Welpen um die besten Stücke zu kämpfen. Vielmehr gilt es, möglichst viel Futter in möglichst kurzer Zeit herunterzuwürgen oder davonzuschleppen. Erst später, in einem sicheren Versteck, würgen auch sie es wieder hervor und fressen alles erneut auf, diesmal in Ruhe. Mit ihren Backenzähnen zerbeißen sie Knochen oder Sehnen und mit Hilfe ihrer Vorderzähne reißen sie Stücke von den Futterbrocken ab. Und die, die noch nicht genug haben, bestürmen den nächsten Altwolf, der ebenfalls mit vollem Bauch nach Hause kommt.

Der Bau wird von den inzwischen acht Wochen alten Welpen kaum noch benutzt. Nur bei starkem Regen schlüpfen sie wieder hinein, ansonsten bleiben auch sie draußen. Deshalb gilt es nun, ein sicheres Versteck für die Welpen zu finden, und zwar irgendwo in der Nähe von Wasser, denn die Milch der Alpha-Wölfin reicht kaum noch, um den Durst der Welpen zu stillen.

Wenn die Altwölfe sich für einen geeigneten Ort ein paar hundert Meter von der alten Höhle entfernt entschieden haben, locken sie die Welpen und ziehen um. Die nächsten Monate werden die Welpen in dem neuen Zuhause verbringen. Sie werden das Gras in der Umgebung niedertrampeln, alles Moos von den Bäumen und Steinen herrunterreißen und überall ihre Spuren hinterlassen. Später wird man genau erkennen können, dass hier die Kinderstube des Rudels war. Es ist meist eine tief im Wald, am Ufer eines Flusses oder in der Nähe eines Sees versteckte Stelle, die von allen Seiten durch dichtes Gebüsch vor Einsicht geschützt ist.

DIE BEIßHEMMUNG
Schon ganz früh müssen die Welpen lernen, mit ihren Kräften behutsam umzugehen. Wenige Tage nach dem Öffnen der Augen brechen die ersten spitzen Milchzähne durch. In Verbindung mit den immer kräftiger werdenden Kaumuskeln könnten sie zu Mordwerkzeugen werden, wenn die Natur da nicht einen Riegel vorgeschoben hätte: die Beißhemmung. Sie verhindert, dass bei den meisten Auseinandersetzungen zwischen Welpen und später den erwachsenen Rudelmitgliedern wirklich fest zugebissen wird. Jedes Tier muss im Laufe seiner Kindheit lernen, dass festes Zubeißen wehtut – und vorsichtiges Zubeißen weniger; tut es weniger weh, reagiert das Opfer weniger wütend. Darum ist es so wichtig, dass Welpen, Wölfe wie Hunde, viel spielen können.

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