Wie entsteht ein neues Rudel?

Wie die meisten Tierkinder bleiben auch die jungen Wölfe nicht für immer bei ihren Eltern. Einige gehen schon mit zehn Monaten im Wanderschaft. Die meisten aber bleiben im Rudel, bis sie mit zwei Jahren fast ausgewachsen sind. Dann sind sie zwar noch keine geübten Jäger, aber sie haben wenigstens so viel Erfahrung gesammelt, dass sie eine Weile alleine zurechtkommen können. Immer häufiger und länger machen sie alleine oder in kleinen Gruppen Ausflüge im elterlichen Revier und manchmal auch darüber hinaus. Dann kommen sie wieder zurück und helfen bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister. Doch irgend etwas treibt sie an, lässt sie nicht zur Ruhe kommen.

Dann, auf einmal, macht sich ein Jungwolf auf. Manchmal wandert er viele tausend Kilometer über Gebirge und Flüsse, durch Wälder und an menschlichen Siedlungen vorbei. Immer in eine Richtung, so als hätte er ein bestimmtes Ziel. Häufig benutzt er dabei alte „Wolfswechsel“, Wanderwege der Wölfe durch unzugängliche Gebiete, in denen sie meist auch genügend Wild vorfinden. Dennoch
überleben viele Wölfe die Zeit der Wanderschaft nicht. Unterwegs verhungern sie oder werden von fremden Rudeln angegriffen und getötet. Viele sterben heute auch beim Überqueren von Straßen, andere werden von Jägern oder Viehhirten erschossen.

Die Wölfe aber, die geschickt genug sind, Feinden auszuweichen und etwas Glück auf ihrer Seite haben, wandern nicht ewig weiter. So plötzlich, wie sie aufgebrochen waren, so schnell entscheiden sie sich eines Tages, in einem neuen Gebiet zu bleiben. Was sie dazu veranlasst, wissen wir nicht. Vielleicht ist es ein besonders günstiges Revier, das von keinen anderen Wölfen besetzt ist. Vielleicht sind sie auch nur der langen Wanderschaft müde geworden.

Meist aber ist etwas anderes im Spiel: Lange schon hat der Wanderer bei jeder Gelegenheit sein einsames Heulen verlauten lassen, hat überall als Duftmarken Urinspritzer abgesetzt, hat selbst nach Wolfstönen gehorcht und nach Wolfsgeruch gesucht.

Dann, eines Nachts, bekommt der Wolf Antwort auf sein Heulen und sichtet die Spuren eines anderen Wolfes. Aufregende Zeiten beginnen. Er nimmt den Geruch einer Wölfin auf. Nur langsam kommt es zu einer Annäherung von Wolf und Wölfin.

Der Rüde ist dabei der aufdringlichere, die Wölfin die scheuere von beiden. Sie weicht ihm aus, versteckt sich, flüchtet sogar ab und zu. Doch bald laufen beide nur noch zusammen. Sie erkunden ihre neues Revier, flüchten gemeinsam vor Gefahren jagen zusammen.

Und eines Tages, im Winter, paaren sie sich. Zwei Monate später, wenn es Frühling wird, werden die Welpen in einer Höhle geboren: fünf, sechs runde, kleine Bällchen, die nichts anderes im Sinn haben, als von ihrer Mutter Wärme und Milch zu bekommen. Der Vater geht allein auf die Jagd und bringt der Wölfm Nahrung. Bald bekommen auch die Welpen etwas davon ab. Sie wachsen schnell heran und folgen schließlich ihren Eltern auf den Streifzügen durch das Revier. Ein neues Wolfsrudel ist entstanden.

Die Grobe eines Rudels
Nicht überall sind Wolfsrudel gleich groß. Je größer und wehrhafter das Opfer ist, desto mehr erfahrene Jäger braucht das Rudel. In Gebieten, in denen die Wölfe mächtige Beutetiere wie Elch oder Bison jagen, können sie bis zu 20 Tiere und mehr zählen. Wo die Beutetiere eine mittlere Größe haben, wie z.B. Hirsch oder Wildziege, sind die Rudel in der Regel nur acht bis zehn Tiere stark. Und wo nur kleine Beutetiere wie Hase und Biber Vorkommen, hält meist nur ein Paar zusammen.
Je größer die Beute, um so mehr Wölfe können davon satt werden. Bei einem Futterbedarf von 4 kg pro Wolf und Tag reicht ein 400 kg schwerer Elch für 20 Wölfe fünf Tage lang. Neben den Jägern können also auch die Welpen und die noch ungeschickten jungwölfe an der Beute mehrmals satt werden. Von einem 80 kg schweren Hirsch hingegen werden gerade zehn Wölfe zwei Tage und von einem 20 kg schweren Reh fünf Wölfe kaum einen Tag lang satt.
Somit richtet sich die Größe eines Wolfsrudels zum einen nach dem Bedarf an erfahrenen Jägern und zum anderen nach der Menge an Fleisch, die das erlegte Beutetier liefert.
Für die Jagd ist es immer besser, wenn mehrere Jäger daran teilnehmen. Beim Fressen fällt mehr für jeden ab, wenn möglichst wenig Tiere an der Beute teilhaben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.