Samen ernten

Samen ernten

Am Ende des Sommers lassen sich von besonders vielen Pflanzen Samen für die Aussat im nächsten Jahr sammeln. Wer darin noch keine Erfahrungen hat, der beginnt am besten mit den verschiedenen Sommerblumen wie Malve, Wicke, Mohn, Lupine, Fuchsschwanz oder Goldlack. Wer Samen von seinem Gemüse ernten will, der sollte darauf achten, dass er keine F1-Hybriden auswählt. Diese eignen sich nicht zur Weiterzucht, da sie sich im nächsten Jahr in unzählige Sorten „aufspalten“.

F1-Hybriden – Rassepflanzen aus der Samentüte

Bei leidenschaftlichen Freizeitgärtnern landen schon Anfang des Jahres die ersten Samenkataloge im Briefkasten. Die Vielfalt des Angebots ist oft unüberschaubar. Verwundert ist so mancher über den Zusatz „F1-Hybride“ hinter dem Sortennamen auf der Samentüte. Die Mitarbeiter der Bayerischen Gartenakademie lüften das Geheimnis um diese Bezeichnung.

„F1“ ist ein Begriff aus der Vererbungslehre von Gregor Mendel und bedeutet erste Tochtergeneration „Filiale 1“. Bei der Kreuzung zweier Pflanzeneltern, die für ein bestimmtes Merkmal reinerbig sind, entstehen in der darauffolgenden Generation gleichaussehende Nachkommen, die für genau dieses Merkmal jedoch mischerbig sind. Kreuzt man zum Beispiel eine reinerbige, rot blühende Pflanze mit einer reinerbigen, weiß blühenden Pflanze, erhält man ausschließlich Nachkommen mit der Blütenfarbe rosa. Doch was bedeutet dies für den Freizeitgärtner?

Die Samen der F1-Hybriden sind meist wesentlich teurer als normales Saatgut. Das resultiert aus der langwierigen und aufwändigen Selektionszüchtung, die notwendig ist, um reinerbige Eltern zu bekommen, und aus der arbeitsintensiven Saatgutgewinnung. Erst wenn das Erbmaterial von „Mutter“ und „Vater“ ganz bestimmte Eigenschaften aufweist, ist ein Erfolg garantiert. Die durch die Kreuzung der beiden Eltern entstehenden “Bastarde“, die F1-Hybriden, zeigen dann alle einheitlich die gewünschten Merkmale.

F1-Pflanzen keimen, wachsen und blühen gleichmäßig und bilden zur gleichen Zeit Früchte. Daher ist F1-Saatgut vor allem auch in der Landwirtschaft verbreitet, denn wegen der Automatisierung werden in diesem Bereich gleichmäßige Bestände bevorzugt. Die F1-Hybriden sind außerdem, zur Freude der Freizeitgärtner, meist widerstandsfähiger, wüchsiger, versprechen eine üppigere Ernte oder imposantere Blüten (der Genetiker bezeichnet dies als Luxurieren der Bastarde oder Heterosiseffekt). Diese Hochleistungspflanzen im Garten müssen allerdings ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden, ansonsten wird sich die Ernte nicht wesentlich von den „normalen“ Sorten unterscheiden.

Es lohnt sich nicht, selbst Samen aus den F1-Pflanzen zu gewinnen. Die Nachkommen werden nicht zwangsläufig alle guten Merkmale der „Rassepflanzen“ besitzen. Zur Samenentstehung hat ja wieder eine Bestäubung stattgefunden, das Erbgut ist wieder neu kombiniert. Dies kann zu völlig neuen und ungewollten Eigenschaften führen. Pflanzen aus selbstgewonnenen Samen von F1-Hybriden lassen keine erfolgreiche Ernte erwarten. Kaufen Sie also Ihr Saatgut jedes Jahr wieder neu.

Mit der Ernte der Samen sollte man aber nicht zu lange warten, damit sie nicht von allein ausfallen. Bei den meisten Pflanzen sind sie schon vor dem endgültigen Dunkelfärben reif.

Allerdings müssen unreife Samen gründlich getrocknet werden, sonst schimmeln sie. Wer auf Nummer sicher gehen will, der schneidet die ganze Pflanze ab und steckt sie in einen Kopfkissenbezug. Dieser wird dann luftig aufgehängt. Mit der Zeit fallen die reifen Samen aus und sammeln sich im Kissen. Um alles aufzufangen, kann man den Bezug noch leicht mit dem Teppichklopfer bearbeiten. Anschließend braucht man den Inhalt nur noch auszusieben und bis zur nächsten Aussaat kühl, dunkel und trocken aufzubewahren. Besonders wichtig ist es, dass man die Samen auch beschriftet, sonst kann es passieren, dass man im nächsten Frühjahr nicht mehr genau weiß, welcher Samen von welcher Pflanze ist.

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